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Treblinka-Lied und Der Fröhliche Wanderer, 2012

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Eines der Volkslieder, das ich aus meiner Kindheit in Amerika in Erinnerung habe, ist „Der Fröhliche Wanderer”. Das Lied wurde in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg komponiert, vielleicht in einem Versuch, die Lücke zu schließen, die entstand, sobald Volkslieder, die über viele Generationen überliefert worden waren, mit dem Nationalsozialismus assoziiert wurden. Das Lied wurde von Friedrich Wilhelm Möller geschrieben und hieß „Der fröhliche Wanderer”. Es wurde von BBC Radio in dem Jahr ausgestrahlt, in dem ich geboren wurde und entwickelte sich sofort zum Riesenhit. Das Lied wurde vom Obernkirchener Kinderchor gesungen; einem Chor, der fast hauptsächlich aus deutschen Waisenkindern zusammengesetzt war, was einen faszinierenden Eindruck machte und das Problem der Nazi-Elternschaft löste. In den Vereinigten Staaten sangen sie das Lied in der Ed Sullivan Show, einmal im Jahre 1964 und dann noch einmal 1966.

Ich dachte über dieses „saubere“ Volkslied nach, als ich Franz Suchomel für Claude Lanzmann in „Shoah” singen hörte. Er singt ein Lied, das, wie er behauptet, Juden auswendig lernen mussten, als sie in Treblinka ankamen. Dann bemerkt er mit gewissem Stolz: „Das ist ein Original. Das kann kein Jude heute mehr!“ Und ich stellte mir vor, wie die Menschen mit dem in ihren Köpfen feststeckenden „Treblinka-Lied” in die Gaskammer getreten sind.

Meine Eltern haben den Krieg in Osteuropa überstanden, mein Vater in einem Arbeitslager und meine Mutter in einem jüdischen Ghetto. Sie sind 1949 in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Ich habe beide Lieder an meine Tochter weitergegeben, die 1993 in den Vereinigten Staaten geboren wurde.

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